Experten Talk: Industrial Internet of Things

 

Das Industrial Internet of Things (IIoT) ist eine Technologie, die mithilfe von intelligenten, vernetzten Sensoren, Aktoren und anderen Elementen Prozesse, Produkte und Maschinen verbindet. Mithilfe von IIoT-Plattformen haben Unternehmen neue Möglichkeiten, industrielle Leistungsdaten zu verknüpfen, zu überwachen, zu analysieren und als Handlungsgrundlage zu nutzen, um die Effizienz zu verbessern, die Kosten zu senken und weitere Vorteile zu realisieren.
 

Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos und bringen für kleine und mittlere Unternehmen viele Vorteile. Allerdings sind die Einstiegshürden oft groß. Dass es mitunter auch einfacher geht, beweisen Lorenz Krapp und sein Team: sie haben bereits zahlreiche IIoT-Projekte bei Kunden von Dontenwill realisiert. Der Informatiker Lorenz Krapp ist seit 2003 Consultant bei Dontenwill und Mitglied des Führungsteams. Sein Team »Future« befasst sich schwerpunktmäßig mit den Themen Industrie 4.0, IIoT, Logistik und Automatisierungstechnik.

 

Welche Chancen bieten sich kleineren und mittelgroßen Unternehmen mit den IIoT-Lösungen von Dontenwill?
 
Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die halt nicht ein riesengroßes Budget haben, bekommen bei uns zuverlässige und preisgünstige Automatisierungslösungen, die sie dann mit uns auch weiterentwickeln oder verbessern können. Damit ist die Hürde schon mal nicht so hoch für kleinere Unternehmen, die Prozesse automatisieren wollen. Eine vollautomatische Versandstation, die keinen PC mehr braucht, wo Pakete einfach mithilfe eines fest installierten Barcode-Readers gelesen, dann auf die Waage transportiert werden und der ganze Versandprozess komplett automatisch läuft, ohne dass eine einzige Taste gedrückt werden muss, macht den Prozess einfacher, schlanker und erfordert keine Fachkenntnisse von Mitarbeitern. Wir entwickeln das Konzept, kümmern uns um das Projektmanagement und stellen die Hardware zur Verfügung. Kunden müssen sich nicht mit verschiedenen Firmen abstimmen, das Smart Device wird quasi »ready to use« von uns geliefert, mit einem Kabel ans Netzwerk angesteckt und: läuft! Das ist die große Stärke von unserem ERP-System – und die Chance für unsere Kunden, IIoT-Projekt in Angriff zu nehmen.

 

Welche IIoT-Projekte bzw. Schwerpunkte werden besonders häufig angefragt?
 
Wir haben bei unseren Kunden vor allem Projekte im Bereich der Versandautomatisierung realisiert. Und das Thema Personalzeiterfassung per Smart Device wird oft angefragt. Unser Schwerpunkt liegt klar auf warenwirtschaftsnahen Prozessen bzw. Prozessen, die mit unserem ERP-System zu tun haben. Wir sind stark fertigungsorientiert, unsere Maßnahmen zielen daher in Richtung Industrie 4.0.

 

Demnach geht es hauptsächlich um Prozessautomatisierung?
 

Genau, es geht hauptsächlich um Automatisierung und darum, Arbeitsplätze ins System einzubinden. Ein PC ist einfach nicht die geeignete Hardware, wenn es darum geht, Dinge zu messen und Aktionen der physikalischen Welt auszulösen, wie etwa ein deutliches Lichtsignal, das dem Benutzer signalisiert, wo ein Paket hingelegt werden soll, an welcher Stelle auf dem Förderband und ähnliches. Und es geht darum, Dinge automatisiert zu messen und zu erfassen: wieviel wiegt ein Paket, wo muss es hin usw. Das kann per Barcode oder RFID in einem fließenden logistischen Prozess erfasst werden, ohne dass jemand an einen Computer ranmuss.

 

 

 
Welche Rolle spielt das Thema Sensorik im Zusammenhang von Automatisierungsprojekten?
 
Ein Barcode wird gescannt oder eine RFID erfasst und es ergeben sich Messwerte. Dieser Messwert kann beispielsweise das Gewicht sein, dann wird ein Folgeprozess gesteuert. Wir können jede Art von Messwert mit unseren Geräten messen. Technisch sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt; die Messwerte können ohne Zutun eines Mitarbeiters in unserer Datenbank gespeichert werden und dadurch Überwachungsprozesse, oder auch andere Prozesse, anstoßen
 

Wie darf man sich das Ganze vorstellen?
 
Unser IIoT-Konzept basiert auf einer eigenen Plattform; diese wiederum basiert auf der sehr verbreiteten Arduino-Technologie, einer Mikrocontroller-Plattform für individuelle Schalt- und Steueraufgaben. Arduino ist ein Steuersystem, bei dem die Ausgänge je nach Programmierung und in Abhängigkeit der Eingänge reagieren. Dadurch ist es möglich, bestimmte Abläufe automatisch zu steuern. Das reicht von einer simplen LED-Schaltung bis hin zu einer komplexen Maschinensteuerung, z.B. der Ansteuerung einer CNC-Maschine zum Schneiden von Wellrohren. Es handelt sich hierbei um ein quelloffenes Open Source System, das Anwendern die Möglichkeit einer individuellen Anpassung erlaubt. Wir setzen eigene Geräte ein, die speziell auf unser ERP-System und die typischen Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind; zusätzlich nutzen wir professionelle SPS.

Was ist SPS?
 
Das Kürzel steht für speicherprogrammierbare Steuerung. Mit SPS können Maschinen oder Anlagen gesteuert beziehungsweise geregelt werden. Eine speicherprogrammierbare Steuerung ist auf digitaler Basis programmierbar und kann dem jeweiligen Bedarf entsprechend angepasst werden. Angesichts der zunehmenden Komplexität moderner Maschinen und Fertigungsanlagen ist diese Automatisierungslösung aus dem industriellen Alltag nicht mehr wegzudenken.
 

Du hast vorhin das Terminal zur Personalzeiterfassung erwähnt, für wen ist das interessant?
 

Genau. Das ist vor allem in der Fertigung relevant, wenn die Leute überhaupt nicht am PC sind, damit können sie einfach ihre Kommen- und Gehen Zeiten erfassen. Das Smart Device ist ein kleines, unauffälliges Kästchen, das mit einem Kabel verbunden werden muss. Ich kann eine RFID-Karte, etwa von Schließanlagen, an das Gerät hinhalten und ich bin sofort eingebucht; beim zweiten Mal hinhalten bin ich wieder ausgebucht. Das Gerät lässt sich konfigurieren und ist einfach installiert.

 

Mehr zum Thema Industrie 4.0 lesen Sie in unserem Blogbeitrag:
 
 

Zum Artikel

 
Wie geht es bei Dontenwill im Bereich IIoT weiter?
 

Ich denke, insgesamt wird das Ganze Thema IIoT, die Konnektivität zwischen Menschen, Maschinen und Prozessen, bei unseren Kunden verstärkt Bedeutung gewinnen. Die Notwendigkeit besteht schon deshalb, um genauere Datenaufzeichnungen zu erhalten. Eine vollautomatische, hoch zuverlässige Aufzeichnung von Daten und die Automatisierung von einfachen, manuellen Prozessen wird ganz klar zunehmen. Mit unserer Business Analytics Lösung können diese Daten entsprechend ausgewertet werden, was wiederum wertvolle Informationen liefert, die Einfluss auf das Controlling und die Qualitätssicherung haben. RFID-Technologie wird noch stärker integriert werden, um Fehler zu vermeiden, schnell Zuordnungen machen zu können, um Mitarbeitern Arbeit abzunehmen und zu vereinfachen.

 
Vielen Dank für das Gespräch!